dieser längste märz

vergangenen freitag in bad kissingen. die autobahn nach norden schiebt einen mit aller gewalt hinter die profilierungspläne dieses landes in den betonpalast aus wiederaufbau und renovierungsbedürftigkeit. erst wenn man sich durch diese kaputten kilometer geschaukelt hat, weiss man, was manche wohl mit nachholbedarf meinen. um das ganze graubild zu unterstreichen, schieben sich die wolken zwischen die mit hochkränen zugehängten brückenbaustellen und setzen die gesamte fahrt ins einheitsgrau. nach der ankunft ein prodema-tag mit leuten von salzburg bis kiel. alles passt, bis am abend das halsweh kommt. aua! ich habe zum glück eine komplett leblose und 5tklassige unterkunft gebucht, in der ich mich ab 18.00 mit schüttelfrost an norma-oliven und vollkornbrot festbeisse. nichts geht mehr runter, auch reden fällt aus. am kommenden morgen liegt draussen schnee, ich verlasse diesen toten ort und fahre zurück nach süden. tanken geht, aber die zapfsäulennummer sagen: fast nicht mehr. schluck , schmerz, die 4, aua! wie schön, dass schon klar ist, wie rombaantisch bum der baheimbumweg seinba wibumrd. am montag endlich arzt und penicillin, am dienstag sonne und mail von myriam. ihr jahr startet so:

„…ich werde unter dem Aspekt der Nachbarschaft in der Kunst den langjährigen Postkartenaustausch zwischen mir und dem leider viel zu früh verstorbenen und für mich so wichtigen Freund Rolf Schneider ausstellen. 

 
„GÄNSEHAUTGESELLSCHAFT“
Haus am Wehrsteg, Heidelberg
Eröffnung: 1.Mai.2018, 15h
 
Außerdem freue ich mich in der Galerie M29 in Köln mit meiner Freundin Katja Davar eine Double Bind Beziehung einzugehen.
 
„DOUBEL BIND II“
Galerie M29, Köln
Eröffnung: 19.April.2018,  20h
 
Im Rahmen der Radiale, Kunst im Kreis stelle ich in der Stiftskirche Sunnisheim aus.
Hier wird eine neue, große – speziell für den Turm der Stiftskirche angefertigte Aluminiumarbeit zu sehen sein.
 
„RADIALE – KUNST IM KREIS“
Stiftskirche Sunnisheim, Sinsheim
Eröffnung: 15.April.2018, 16h
 
 
Außerdem beginnt endlich die Einraumhaus c/o Saison 2018!!!
 
EINRAUMHAUS c/o ZEIGT
Holger Endres
Tobias Hantmann
René Luckhardt
Einraumhaus c/o Mannheim,
Dammstrasse 1
Eröffnung: 13. April 2018, 19 h

winterzartbitter

ist gut jetzt. ich jammere nicht! nach deeskalationsschulung, sekt zum abschluss, umarmungen, tschüss und vielleicht auf nimmer wiedersehen bleibt nun die aufgabe, das jetzt selber zu schulen, wobei die umgebung hier gerade meint, alles auf eis legen zu müssen. keine neustartsignale weit und breit. nur kälte, wind und ein wasserhahn, der kurz luft holt, wenn man ihn öffnet: das wars. wasser gibt er erst wieder ab 4 grad plus! ach so!  na dann. auch der kombi muckt. verliert öl, auto stinkt, auto klappert, was ist los mit euch alten kilometersammlern? als ausgleich für das einstecken der frustpäckchen zum frühstück gibt es bald nur noch den holzstapel draussen. warte nur! auch der wird schnell kleiner, aber man kann sich ja in die wut hineinspalten, bis man bei anzündhölzchen in x hoch 10 facher verzweiflung angekommen ist und die hände brennen. was? ich jammere nicht! so wird das auch bleiben! wiese, ich komme!

und bitte, wenn ihr arbeitet: benutzt keinen schrott da draussen, sondern bitte nur so etwas:

Silky

Dictum

FELCO

SNEEBOER

 

langsam, langsam

bei daniel kahneman. „schnelles denken, langsames denken“. endlich wieder ein buch, das einem seite für seite vor augen hält, wie man selbst funktioniert. dufte! zeile für zeile sinkt das vertrauen in die eigene zurechnungsfähigkeit, danke! egal, ob das forschungsergebnisse sind, die dem eigenen versuch, ein paar klarsichtmomente zu denken, entsprechen: es ist die unmittelbare verunsicherung über denkaufgaben und deren veranschaulichung, die hier zählt. brille auf, rein ins bett, licht an und los! bevor einem der wälzer auf die nase fällt und die müdigkeit siegt, steht schon wieder eine versuchsanordnung auf dem programm. es überschneiden sich die voreingenommenheiten mit angeblichem eigensinn, eingebildete freiheiten mit zwangsläufigen schlussfolgerungen. schön, dass man nicht mehr weiter weiss, wenns ans schlafen geht. 10 euro und los. ich kann verstehen, dass auf der rückseite vermerkt ist, man solle das doch schnell lesen und wieder und wieder. rspkt!

schreiben und hören

kann und will

das nicht vergessen. 1983? wenn ich mit jüngeren leuten darüber rede, denken die, man müsse eine zeitreise antreten, um überhaupt in die nähe dieser angabe zu gelangen. und jetzt? der schnee ist weg, die kinder rennen in der nachbarschaft wieder durch das minimalrestgefrorene kindergartengehege, brüllen und bauen ihre ersten kriegsschauplätze, die von den grossen als unschuld deklassiert werden.

David Hammons „Bliz-aard Ball Sale“ 1983

dezimalschrotter

zu fuss auf dem weg zur autowerkstatt, feder vorne links gebrochen, jetzt müssen also auf beiden seiten neue teile eingebaut werden, danke! abholung heute morgen. ich trotte an einer der kaputten, im echten wortsinn kaputten, öffentlichen skulpturen im ort vorbei – hass hab ich schon immer gehabt auf dich! – und beim anblick der da aufgerichteten scheusslichkeit macht der tag einen ruck, springt aus dem am morgen noch orientierungslosen schauen und schlachtet allen optimismus. der mann mit hund auf dem verkackten platz unterhalb des kaputten schiesst den vogel ab: „lass es raus“, „lass es rahahaus“, mmmmh, mh, mmmhhh, „lahahas es rahahaus“, der typ singt, nix dagegen, aber irgendwann wird mir klar, dass er dem köter die wurst aus dem hintern singt. klar will der braune sich keinen kalten hintern holen, klar will herrchen nicht noch weiter laufen, ist doch eigentlich viel zu glatt zum kacken! aber mir reichts. nur schnell auto holen, kurz mit dem chef reden, lachen, zahlen, fahren und weg. tag elf, was soll das? ihr entwurf wurde um 16:29:54 gespeichert. mach nur so weiter!

nicco

ja, es ist nikolaus, dachte ich gestern früh, aber den stiefel hatten wir am abend zuvor schon wegdiskutiert. an der tanke um kurz nach 8 uhr schaute mich der schiefbärtige mann in roter verkleidung merkwürdig lange an, um dann doch zu fragen, ob ich nicht eine seiner orangen möchte, kann ich ihnen auch eine anbieten? klar! gern! dann also noch adac-karte durchziehen, jetzt bitte ec-karte einstecken, danke! tippen, bezahlen, gut.  ich wollte gerade gehen, da kam das bier, zwei hände, drei flaschen, auf mich zugewackelt. hey, isch heut der sechste oder sowas? schon ausgelöst durch das geräusch der klackenden bierflaschen schaltete das hirn auf euphorie: hören, schreiben, feiern, sich und den eigenen text beleidigen, ein wenig zumindest, fluchen, schimpfen, schnell raus, und dann wieder freuen, ab ins auto und weiter in den tag.

bause

führung in einem fast fertigen um- bzw. neubau. sehen, was andere machen, hören, was andere zahlen, sich mit grossen augen freuen über das, was an anderen orten gemacht wird, wenns denn gut gemacht ist. brutal ist die erkenntnis, jedes mal nach wenigen minuten schon: dass bei der beobachtung all der oberflächen, verwinkelungen, fachwerkfüllungen, wasseranschlüsse und treppenaufgänge es keine rolle spielt, was davon der stolze hauherr selbst mit sogenannter eigenleistung gemacht hat, nein, ganz im gegenteil, sondern all seine bemerkungen zu dem, was er selbst kann, nur nerven und man eigentlich doch echt nur sehen möchte, nein, nicht einmal möchte, nur sieht, was da ist, gut gemacht und fertig, fast. dabei bin ich doch in der genau gleichen situation! man hilft mit und ist stolz auf das, was man übernehmen konnte, pocht auf das, was später sogar sichtbar sein wird von dem, was man zwischen den fingern hatte! aber die kommentare dazu rühren nicht mehr ans material, getan ist getan und es ist völlig egal, wer das warum, wann und wie schnell getan hat. jeder ist-zustand verriegelt sich anscheinend zum ich-zustand. und dieses ich will nicht nach mutti oder vati gefragt werden, sondern an sich selbst abgefragt sein. was vorher war, wird mit der pauschalantwort konfrontiert, dass alles einfach nur anders war, danke fürs gespräch! mit abgleichungen und vergleichen will das gegenwärtige nichts zu tun haben, na toll! noch nie schlug mir das so ins gesicht: dass alle erklärungen zum tun, zu herstellungsprozessen, zeitlichen abläufen usw. nur schwerlast sind in gespräch, schilderung und erklärung, gähn! in der kunst ist es vielleicht nicht ganz so schlimm, her mit etwas trost! oder doch? die sachen nehmen nicht unbedingt den weg über erklärbare handwerklichkeit, die abläufe sind chaotischer. sobald aber sogenannte arbeitsschritte in der diskussion sind, wird es unangenehm. dabei ist es doch so schön, wenn man ein wenig von dem erzählt, was man wieder gelernt und angewendet hat, was der eine konnte und man jetzt selbst auch in der persönlichen arbeit mit einbaut, was ein anderer weglassen musste, aber bei einem selbst jetzt eine ganz grosse und nicht mehr wegzudenkende rolle spielt! von wegen! die geschichte des machens im angesicht des resultats ist das gegenteil von vorwärts. abendessen 4 minuten nach kuchen 3 minuten nach mittag 2 minuten nach frühstück. 1 und los.

tiefspüler

wie viele leute in der stadt haben gerade magen-darm? umfrage auf dem weihnachtsmarkt, aber in den antworten kommt das ganze zeug schon hoch. einen halben tag toilette und jetzt wieder abpfel reiben und nudelstangen zu suppennudeln zerkleinern. internet sagt: schonen! mama hat auch ohne internet ihre sorgen. ich liege mit dem „alpen spezial“ von greenpeace im bett, horror-ästhetik pur, und frage mich, was den reiz dieser abbildungsdüsternis ausmacht. man müsste lesen, aber mit diesen bildern will man erstmal nur weiter, geschoben und immer weiter geschoben von dunkler schrift in grau, noch mehr und ganz, ganz grau. die gleiche frage hatte ich vor kurzem während eines filmes, der seine depression mit ausgebeinten wracks in verlassenen häfen durch die handlung zog. ich erinnerte mich daran, dass immer auch in der akutwirklichkeit, also schon in einem ganz kurzen moment im anblick dieses verfalls, eine störung passierte, die mit der regelmässigkeit des richtung strand rollenden wassers zu tun gehabt haben muss. ich war nicht oft, viel oder immer wieder am meer. aber sobald ich vergleichbares zu sehen bekamn, sich das wasser an wrackteilen hoch und runter hob, bekam der begriff des verfalls schon nach kurzer zeit in dieser regelmässigkeit der bewegung keine luft mehr. im beobachtungsmoment verfällt nichts, nur das wasser gurgelt – und doch verstärkt die bewegung ausserhalb bzw. am verfallenden die gewissheit des desaströsen ins brutal traurige. ich blättere von geschmolzenen gletschern zu wald und bären und hänge im bild des schaukelnden wassers, was den magen weniger freut. morgen wieder gesund.

schütter

bei lidl fährt vor mir ein mann seinen wagen in die parklücke, als ich gerade – stop! nicht auf dem parkplatz, sondern auf dem weg zum kassenband zwischen haribo und schnappes. er wendet noch schnell vor dem einspurigen engpass bei süssies und tabak und parkt dann seine rollende gitterbox diagonal in die warteschlange, er will das ding ab jetzt wohl nur noch ziehen und das auch mit seiner aktion jetzt ganz und absolut klar und deutlich unterstreichen, ab jetzt wird hier gezogen! von wegen den tag vor sich herschieben! ende der ansage. im wagen transportiert er eine packung bürger gemüsemaultaschen, das wars. mir wird angst. was braucht es, wie wenig oder viel eigentlich, damit es einem ganz genauso geht? der durchschnittsnormale typ fällt im ersten moment hier nur auf, weil er sich etwas langsam bewegt, aber dieses einparken der maultaschen ist dann doch etwas zu viel. seine unsichtbarkeit springt ins überauffällige, die junge dame an der kasse wartet schon auf drohende rituale des maximalkomplizierten bezahlens.“schöhönähen tahag noch!“ echt? ging ja schnell!

draussen rasseln drei elstern durch den parkplatzlärm. mir ist noch nie aufgefallen, dass sie aussehen wie zusammengesteckte papierflugobjekte. die ausgebreiteten flügel sind transparentpapier im blauen lidlhimmel. weiter hinten dann zwischen altstadtbiergarten und industriebrache startet rems burtal die internationale dumpingwoche. die einen machen advent, die anderen tüten die altstadtränder mit aldimüll ein. schon gut, ich geh ja schon weiter, weil: bevor opa fritz beim abklauben der miniaturkiwis von der leiter fällt, will ich meine sachen in der gefriere haben. die kiwis sind z.t. haselnussklein. depri. ich sag noch zu omi: ne, ich geh nicht in die psych! ich schäl die nicht! …alle jahre wieder.

titel eingeben

kunst ist immer verschwendung. zumindest in der praxis der leute, die alles raushauen, um kunst zu machen. alles, was behalten wird, was nicht als einsatz im werk zum tragen kommt, wird auch gleich von der qualität des gemachten abgezogen. jeder weiß das, viel zu oft sind bilder nur ein dickes minus dessen, was nicht ins system der farben und formen durfte. die frage ist nur: warum? um dagegenzuhalten gegen diesen sog des totalen, um ein wenig einfach für sich zu behalten, muss man rauchen, trinken, kuscheln, stofftiere sammeln, was weiß ich, oder vielleicht nur schlecht malen. auf alle fälle löst die unbedingtheit der anforderungen des bildnerischen immer eine gegenreaktion aus, die natürlich auch wieder schädlich ist. raubbau im raubbau. stipendien sind darin so etwas wie die offiziell verabreichte schminke, die creme gegend die totalverdunstung des selbst, bitte 2 x täglich . vieles wird für eine gewisse zeit ein wenig einfacher,  es wird nicht mehr so knapp, wenn der tabak sieben euro kostet, und der getränkemarkt ist auch nicht weit. vielleicht darf es auch mal etwas grünes zu nudeln und wein sein – zur abwechslung nicht wieder aus dem waschmaschinendeckel. und da sind ja noch die anderen leute, die einen auch ein wenig davon abhalten, sich selbst andauernd mit sich selbt in der balance zu halten zu versuchen mit sich selbst, hoppla! schlimm sind die abschlussausstellungen der stipendiaten. alles ist genauer, besser, direkter, aber überall mit der verschuldung gegenüber der zeitlichen begrenzung behaftet, in der das entstehen durfte. die creme-tube ist leer, die gesichter lachen wieder etwas faltiger mit dem blick richtung morgen, wo schon die finsternis lauert mit stromrechnung, nem platten, leerer gasflasche und vergammeltem toast.